Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde

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Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Fotos: Burkhard Fritz

Im Jahr 2003 wurden das Treppenhaus (die Treppenanlage) und die straßenseitige Einfriedung des Grundstücks in der Beethovenstraße 26 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Das Wohnhaus ist eine Villa, die als Mietwohnhaus mit zwei Etagen in den Jahren 1892 bis 1894 gebaut wurde. Das Haus gehört mit zu den ältesten Häusern in der Gemeinde Eichwalde. Es steht zentral auf einem großen Gartengrundstück, das zur Straße mit der aus der Bauzeit noch bestehenden Einzäunung abgegrenzt ist. Auf dem Grundstück ist u.a. auch noch eine alte Remise aus der Gründungszeit der Gemeinde und viele kleine Details, wie die Hofpflasterung, erhalten.

Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde

Bauherr war der Kunstschmiedemeister Carl Saalfeld aus Berlin. Der Entwurf des Hauses ist von dem Architekten A. Franz. Über all die Jahre und durch die verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnisse wurde das Haus unter den jeweiligen Bedingungen renoviert und im Äußeren dabei verändert. Bei dem Aufbringen eines neuen Außenputzes konnten zeittypische Dekorationsteile z.B. an der Fassade nicht erhalten werden. Auch das Dach wurde entsprechend den heutigen Auffassungen rekonstruiert. Besonders nach dem Krieg wurde die Bausubstanz des Hauses durch eine hohe Überbelegung mit Mietern außerordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen.

Im Inneren zeigt das Gebäude in vielen Details jedoch seinen ursprünglichen Zustand. Das betrifft die zahlreichen bauzeitlichen Türen und den dekorativen Stuck an den Decken. Der wesentliche Träger des Denkmalwertes ist jedoch der Treppenaufgang. Geprägt von der Idee, das Schöne zu bewahren, wollte die Besitzerin den alten Glanz des Treppenaufganges wiederbeleben. Im Denkmalschutzamt erhielt sie Hilfe und fachkundige Unterstützung. In einem Gutachten wurde begründet, dass Wandgestaltung, Treppengeländer und Türschmuck besonders schützenswert sind.

Der Restaurator Hans Karo aus Teltow, der schon in der evangelischen Kirche in Eichwalde sein Können unter Beweis gestellt hatte, erhielt den Auftrag der Restaurierung. Er erkannte schnell, dass die Farbe in den vergangenen 100 Jahren zwar sehr dunkel geworden und auch an einigen Stelle bereits beschädigt, aber zum Glück nur einmal mit Lack überstrichen war. Der gesamte Treppenaufgang in all seinen Teilen wurde in den Jahren 2005/2006 liebevoll und mit außerordentlich großem Geschick und fachlichem Können restauriert. Heute zeigt sich die Treppenanlage im neuen alten Glanz. Der Aufgang ist besonders durch die aufwendige Ausgestaltung bemerkenswert. Der gesamte Treppenflur ist mit einer intensiven farbigen Schablonenmalerei mit zum Teil aufgepausten bzw. frei Hand ausgemalten Elementen dekoriert, die jeweils von einer doppelten Bänderung gerahmt werden. Phantasievolle Dekorelemente aus Blattarrangements und Gitterwerk schmücken die Flurecken. Die einzelnen Wandfelder werden von vertikalen Ornamentbordüren eingefasst. Das Ganze wirkt durch die Farbgebung in einer gewissen Plastizität.

Insbesondere die auffallende Ornamentik der Bordüren, der Eckdekorationen an den Seitenwänden und das naturalistisch zarte Blattwerk an den Decken bewirkt die Lebendigkeit der malerischen Ausgestaltung. Das Treppengeländer hat profilierte Handläufe und einen Anfänger in Form eines Löwenkopfes. Die Treppenunterseiten rahmen profilierte Holzleisten mit Perlschnüren und zapfenartige Schmuckelemente. An der Eingangs- und der Windfangtür sind fein ziselierte Beschläge sowie Verglasungen mit geätzten schmuckvollen Ornamenten erhalten bzw. wurden nach dem alten Verfahren wiederhergestellt. Ebenfalls in ihrer ursprünglichen Gestaltung sind die Wohnungseingangstüren vorhanden, die einen hohen Schmuckwert im Treppenaufgang haben.

Der Treppenaufgang ist ein echtes Kleinod und zeigt sich heute wieder in seiner einstigen Schönheit und ganzen Pracht. Die Treppenanlage ist ein charakteristisches Beispiel für die gründerzeitlichen Repräsentations- und Dekorationskünste. Sie dokumentiert den gehobenen Lebensstandard des aufstrebenden Bürgertums. Dieser Malerei kommt auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, da eine solche Gestaltung in der Region kaum noch existiert. Darin liegt auch der Seltenheitswert dieser unter Denkmalschutz gestellten Treppenanlage.

Im Gutachten der Denkmalwürdigkeit wird auch hervorgehoben, dass die Einzäunung des Grundstücks zur Straßenseite schützenswert ist. Der Zaun verleiht dem Haus nicht nur eine repräsentative Note, sondern belegt auch, nach den Worten des Denkmalschutzes, das hohe Niveau des Kunstschmiedehandwerks in dieser Zeit.

Wolfgang Flügge / Ortschronist

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