Schwedisches Blockhaus in Eichwalde

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Schwedisches Blockhaus in Eichwalde
Fotos: Burkhard Fritz
Schwedisches Blockhaus in Eichwalde

Die Villa "Schwedisches Blockhaus" in der heutigen Heinrich-Zille-Straße 8 wurde 2008 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Geschützt werden soll die Villa mit dem dahintergelegenen Wirtschaftsgebäude und die straßenseitige Einfriedung. Das Gebäude wurde 1892 unter Leitung des Berliner Architekten O. Hillerkus durch den Zeuthener Maurermeister Rudolf Seegers im Auftrag des in Berlin ansässigen Fabrikbesitzers F.W. Gerhardt errichtet. Dem Gebäude liegt eine schwedische Bauzeichnung für eine „Villa“ mit sechs Räumen und Küche zugrunde. Eine auf den Zeichnungen befindliche Notiz weist darauf hin, dass die Teile des Hauses im Oktober 1891 im schwedischen Katharinenholm angefertigt wurden. Daher geht man davon aus, dass der Bau aus bereits in Schweden vorgefertigten Bauteilen in Eichwalde zusammengesetzt wurde.

Auf einem kleinen Balkon an der Vorderfassade befindet sich folgende Inschrift: „Schwedisches Blockhaus aus nordischem Land, steht unter Eichen auf märkischem Sand, fremd ist die Bauart, doch waltet darin, treu wie die Eichen treudeutscher Sinn.“

Die Innenstruktur des Hauses ist bis heute im Wesentlichen erhalten. Der Besitzer betrieb in der Villa die Gaststätte "Schwedisches Blockhaus". Seit 1874 existierte in der Nähe die Haltestelle Schmöckwitz der Berlin-Görlitzer-Bahn, und die sich entwickelnde Landgemeinde Eichwalde wurde zu einem beliebten Ausflugsziel und Aufenthaltsort der Berliner in den Sommermonaten. Die Gaststätte „Schwedisches Blockhaus“ gehörte Jahrzehnte zu den populärsten gastronomischen Einrichtungen der Gemeinde, war als beliebtes Ausflugslokal bekannt und zierte Postkartenansichten von Eichwalde. Mit seinem großen Kaffeegarten, einer Kegelbahn und einer angebauten Halle bot es Räumlichkeiten für große private und öffentliche Feiern. Das „Schwedische Blockhaus“ war somit nicht nur Ausflugsziel, sondern auch Treffpunkt der Eichwalder Bürger und Versammlungsraum der Vereine und Parteien. Hier wurde auch im Jahr 1898 die Eröffnung des Bahnhofs Eichwalde mit 300 Gästen gefeiert.

Schwedisches Blockhaus in Eichwalde
Historische Aufnahme

Das 1892 errichtete Holzhaus gehört zu den frühesten Bauten auf dem Territorium der erst 1893 gegründeten Gemeinde Eichwalde und ist eines der ersten Gebäude westlich südlich der Bahntrasse. Es ist damit ein bedeutendes Zeugnis für die frühe Periode der Ortsentwicklung, welche den Aufschwung Eichwaldes zu einem Naherholungsziel und Villenvorort von Berlin einleitete. Die Villa sollte dem Besucher auch den Eindruck der gehobenen Landhauskultur vermitteln, die für die Menschen der engen Großstadt immer begehrenswerter wurde. Der Baustoff Holz gewann vor dem Hintergrund der Naturnähe und Ursprünglichkeit in dieser Zeit deutlich an Beliebtheit. Da Wohnhäuser aus Holz in Deutschland praktisch nicht hergestellt wurden, nutzte die schwedische Holzindustrie das wachsende Interesse, um vorgefertigte Holzhäuser in Deutschland anzubieten.

Wolfgang Flügge / Ortschronist

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