Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

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Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

Fotos: Thomas Herles

Pfarrwitwenhaus Groß Zicker Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

Das Pfarrwitwenhaus auf Mönchgut (Insel Rügen) ist ein besonderes Zeugnis historischer Bauweise. Das Haus wurde 1720 erbaut.

Das Pfarrwitwenhaus ist ein Lehmfachwerkhaus. Ein Innengerüst aus 2 Ständerreihen trägt die Dachkonstruktion, die aus aufgeschobenen Dachsparren errichtet ist. Die Ständer stehen schwellenlos auf Feldsteinen. Die Außenwände haben keine stützende Funktion. Die Ständerbauweise zeigt bis heute eine sehr alte Art der Verzimmerung. Die Rähme werden durch einen zweizapfigen Ständer gehalten. Für die Verbindungen wurden Holznägel verwendet.

Die Fächer des Fachwerks sind mit groben Staken ausgefüllt, an denen zum Teil heute noch die Rinde zu sehen ist. Durch die Staken sind gedrehte Roggenstrohseile oder Strauchwerk geflochten. Der darauf verschmierte Lehm wurde durch den Zusatz von Häcksel und Kalk gefestigt. Ein Kalkanstrich machte ihn wetterfest.

Das Pfarrwitwenhaus stellt in seiner Bauweise eine Besonderheit des kleinbäuerlichen Rauchhauses dar. Über einem annähernd quadratischen Grundriss tragen zwei Ständerreihen ein besonders hohes, spitzes schmalfirstiges Strohdach. Später wurde als Dacheindeckung zunehmend Schilfrohr verwendet.

Diese Häuser boten Platz für Mensch und Vieh gleichermaßen und bargen die Ernte unter dem Dach. Sie hatten also nicht nur eine Wohnfunktion, sondern sicherten gleichzeitig die materielle Lebensgrundlage ihrer Bewohner. Der Hühnerstall mit Durchgangsloch zur Diele hin, der Kuhstall daneben, der benachbarte Acker und der vor dem Haus befindliche Garten bezeugen bis heute die einfache Lebensgrundlage unserer Vorfahren.

Bis 1810 wurde das Haus von Pfarrwitwen bewohnt. Ab 1811 diente es als Schulgebäude und Wohnung für den Lehrer, bis das Dorf 1830 ein eigenes Schulgebäude bekam. Seitdem war das Haus bis 1984 vermietet. In den Jahren 1986 bis 1988 fand eine Renovierung statt. Heute ist das Haus nach wie vor in Kirchenbesitz und wird als Museum und für Kunstausstellungen genutzt

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