Kornspeicher auf dem Beutelschen Hof in Gatow

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Kornspeicher auf dem Beutelschen Hof in Gatow

Fotos: Ulrich Reinicke

Kornspeicher auf dem Beutelschen Hof in Gatow

Vorzustand

In der Mitte des Dorfes, gleich neben dem Lehenschulzen-Gut (heute Parkplatz der „Kleinen Badewiese“) befand, und befindet sich immer noch, der Hof der Familie Beutel. Es war ursprünglich kein großer Hof, sondern mehr eine Büdnerstelle. Im Gegensatz zu den Vollbauern oder Hufnern, die in Gatow zwischen 40 Morgen und 100 Morgen Land besaßen, hatte ein Büdner nur nur eine kleine Fläche zur Verfügung. Auf dem Büdnerhof war auch, im Gegensatz zu den Höfen der Vollbauern, der Stall für das Vieh direkt an das Wohnhaus angebaut. Als Wirtschaftsgebäude hatten die Büdner meist eine kleinere zweistöckige Remise, Das Erdgeschoss diente zum Unterstellen der Geräte und des Wagens. Im Obergeschoss lagerte neben dem Heu für die Tiere auch das Saatgut für die nächste Aussaat. Deshalb bezeichnete man das Gebäude bei den Büdnern auch nicht als „Remise“, wie bei den Vollbauern, sondern als Kornspeicher. Dieser Kornspeicher auf dem Beutel-Hof wurde ca. 1761, also zum Ende des 7-jährigen Krieges gebaut. Zu diesem Zeitpunkt erhielt nämlich Jacob Beutel, der als Grenadier der Garde im 7-jährigen Krieg gekämpft und sich durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet hatte, den Hof vom König (Friedrich II.) als Eigentum. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Hof, obwohl schon mehrere Jahrhunderte von der Familie Beutel bewirtschaftet, nur ein Lehen. In der darauf folgenden Zeit erwarben die Beutels noch Grund in der Nachbarschaft, unter anderen die Schäferei des Dorfes und mehrere Wiesen am Havelufer. In der damaligen Zeit galten diese Wiesen wegen den jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen nicht viel. In späteren Zeiten wurden sie allerdings zur Quelle des Reichtums, die die Beutels mit zu den wohlhabenden Bauern des Ortes machte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen reiche Bürger der Hauptstadt Berlin, sich Häuser auf dem Land, in schöner Lage am Fluß zu bauen. Ein Bauboom der Villenkolonien begann. So wurden die ehemals feuchten Wiesen der Beutels plötzlich wertvoller Baugrund und der Bauer Beutel wurde damit der erste Gatower Bauer, der sich nicht mehr durch die Landwirtschaft ernähren musste, sondern von den Zinsen seines Vermögens leben konnte. Ein hochherrschaftliches Wohnhaus im holländischen Stil, was damals Mode war, ist heute noch zu bewundern. Auch eine neue große Scheune wurde errichtet. Der alte Kornspeicher allerdings blieb. Als er dann am Ende des letzten Jahrhunderts arg baufällig wurde und einzustürzen drohte, übernahm ihn der Förderverein historisches Gatow und restaurierte ihn zusammen mit der Knobesldorff-Schule für Bauberufe. Seit 2006 steht er wieder im alten Glanz auf dem Beutel-Hof.

Text: Ulrich Reinicke

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