Humboldt-Gymnasium Eichwalde

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Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Wohnhaus Beethovenstraße 26 in Eichwalde
Fotos: Burkhard Fritz

Das Gebäude des heutigen Humboldt-Gymnasiums in der Bahnhofstraße / Ecke Joachimstraße, der heutigen Humboldt-Straße, wurde in deutlich zu unterscheidenden drei Bauphasen in den Jahren 1899, 1910 und 1927 errichtet. Die einzelnen Gebäudeteile verkörpern die jeweiligen Architekturauffassungen der einzelnen Bauperioden. Die Schule dominiert das Straßenbild der Hauptstraße der Gemeinde und ist ein ortsprägender Bau für Eichwalde. Im Jahr 1994 wurde der gesamte Gebäudekomplex der Schule in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen.

Die Gemeinde Eichwalde, am 20. März 1893 gegründet, hatte am Ende des ersten Jahres ihrer Existenz 182 Einwohner, darunter 34 Kinder im schulpflichtigen Alter. Die Schulkinder erhielten in der Nachbargemeinde Schmöckwitz ihren Unterricht. Im Herbst 1894 entschied die Gemeindevertretung Eichwalde, eine eigene Schule zu bauen. Die Einwohnerzahl von Eichwalde wuchs ständig, und im Jahr 1898 mussten bereits 51 Kinder im Ort unterrichtet werden.

Am 28. Januar 1899 legte man den Grundstein für das erste öffentliche Gebäude in Eichwalde. Bereits zehn Monate später zogen die inzwischen 71 Schulkinder in den neuen Schulbau ein. Die Schule wurde nach Plänen des Architekten und Schinkelpreisträgers Paul Egeling erbaut. Das Gebäude ist ein zweigeschossiger roter Backsteinbau mit hoher Sockelzone und großen Fenstern im Souterrain. Auffallend ist die Turmuhr auf dem mit einer Spitze verzierten Dach. Die Wechselwirkung von Klinker- und Putzfassade, einschließlich der Rundbögen und Kreuzblumen, geben dem Haus einen besonderen Schmuck. Die Treppe zum Haupteingang und der darüber liegende Balkon mit seiner reich verzierten schmiedeeisernen Brüstung heben sich in der asymmetrischen Fassadengliederung besonders hervor. Auch die vielfältige, mit glasierten Ziegeln gedeckte Dachlandschaft ist charakteristisch für den Bau. In diesem ältesten Gebäudeteil sind im Treppenaufgang sowohl die Fußbodenfliesen als auch die alte Treppe mit den gusseisernen blumenverzierten Treppenwangen und den gedrechselten Geländer Stäben noch erhalten. Nach der Einweihung des ersten Schulgebäudes war noch so viel Platz, dass neben Wohnungen für Gemeindebedienstete auch die Amtsstube der Gemeindeverwaltung und ein Betraum für die Gläubigen eingerichtet werden konnten.

Im Jahr 1909 stieg die Einwohnerzahl des Ortes auf über 1500 und in der Schule wurden bereits fünf Klassen unterrichtet. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach dem schnelleren Ausbau zu einer eigenen höheren Schule immer lauter. In dieser Situation entschied sich die Gemeindevertretung für einen Schulanbau. Im Oktober 1910 wurde ein moderner Anbau, der nach den Plänen des Architekten Georg Roensch errichtet wurde, bezogen. Der Anbau unterschied sich in der äußeren Gestaltung deutlich von dem älteren Hauptbau. Die hochrechteckigen, schmalen und kleinteilig gesprossten Fenster der Klassenzimmer fallen sofort ins Auge. Im Inneren sind die ursprünglichen Türen der Klassenräume mit Rahmen sowie die Bogenansätze an den Decken noch erhalten bzw. sichtbar.

Wegen der ständig steigenden Zahl der Schüler und um endlich eine höhere Schule zu werden, fasste die Gemeindevertretung im Jahr 1925 den Beschluss, einen zweiten Schulanbau zu errichten. Drei Jahre später, am 28. März 1928, konnte dieser Anbau eingeweiht werden. Diesmal entwarf der Berliner Architekt Friedrich Brinkmann die Pläne für den Bau. Dieser dritte Gebäudekomplex verfügte über moderne Klassenräume, Fachkabinette für Chemie und Physik, die nach den neuesten Erkenntnissen eingerichtet waren, einen großzügigen Zeichensaal und eine große Aula für Veranstaltungen und die musische Ausbildung. Die Fassade des zweiten Anbaus ist aus dunklen Klinkersteinen und mit verschiedenen Schmuckelementen reich verziert. Ein absoluter Blickfang ist der zentrale Eingang von der Humboldtstraße, der mit Terrakottaschmuck aufwendig gestaltet wurde. Die Eingangstür wird von zwei Pilastern flankiert, auf denen Terrakottakapitelle mit Blattkränzen ruhen. Die zwei über dem Eingang befindlichen hochrechteckigen Fenster mit diagonaler, sich kreuzender Versprossung werden von drei Pilastern gerahmt. Über einem verbindenden Zickzackband ist ein lesendes Kind dargestellt.

Zwischen der ersten und zweiten Etage schmücken fünf Reliefs die Fassade. Das erste Bild stellt die Mal- und Zeichenkunst, Musik, Gesang und Sport dar; das zweite Bild die Botanik, und es soll den Segen der Arbeit wiedergeben, das dritte Bild soll die Naturwissenschaften, Himmelskunde und Erdkunde darstellen. Die zwei weiteren Motive versinnbildlichen den Spruch „Sich regen bringt Segen“.

Auffallend sind neben der reich verzierten Fassade die hochrechteckigen Fenster der Aula in der dritten Etage, die mit Kreuzen gesprosst sind. Ein Brand zu Beginn der 80er Jahre zerstörte den Dachstuhl beider Anbauten erheblich. Daher wurde dieser Teil aufgestockt und erhielt ein neues Dach. Im Inneren des letzten Anbaus ist das Treppenhaus mit den Terrazzostufen, dem massiven Treppengeländer und dem Handlauf mit den wellenförmigen Rutschstoppern sehenswert. Entlang der Wand reihen sich kleine Reliefs mit Tiermotiven.

Auch die Einfriedung der Schule zur Straße und der dadurch entstandene Vorgarten gehören zum Schutzumfang des Denkmals. Heute befindet sich in diesem Gebäudekomplex das Humboldt-Gymnasium von Eichwalde.

Wolfgang Flügge / Ortschronist

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