Gruppenwohnhaus „Siedlung“ in Eichwalde

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Gruppenwohnhaus Siedlung
Fotos: Burkhard Fritz

Der Wohnblock der Bruno-Taut-Siedlung Eichwalde wurde 1993 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Zu dem Baudenkmal gehören das sogenannte Gruppenwohnhaus „Siedlung“ mit dem Hofbereich und die rückwärtig angelegte Kleingartenanlage. Das Gesamtprojekt entstand 1925/26 nach Plänen von Bruno Taut als Wohnanlage für Angestellte der Verlagsanstalt „Courier“ des Deutschen Verkehrsverbundes zu Berlin, einer sozialdemokratischen Gewerkschaftsorganisation.

Gruppenwohnhaus Siedlung in Eichwalde

Taut verwirklichte mit der Siedlung in Eichwalde auch die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts von der Avantgarde des „Neuen Bauens“ erdachten neuen städtebaulichen Ideen. Es war die Idee der jungen Architekten, den Werktätigen mit geringerem Einkommen preiswertes, aber komfortables Wohnen im Grünen zu ermöglichen. Die arbeitenden Menschen sollten einen ihren Bedürfnissen angepassten Wohnraum mit hohem Wohnkomfort erhalten. Gleichzeitig sollte sich dieser Wohnraum durch ein weiträumiges, gesundes und naturnahes Wohnumfeld auszeichnen.

Bruno Taut schuf einen Zweckbau mit möglichst viel, aber preiswertem Wohnraum, der für die damalige Zeit mit Bad, Küche, Kinderzimmer, Wohn- und Schlafzimmer sowie Balkon sehr komfortabel war. Seine Wohnsiedlung umgab er mit viel Grün, einem großen Hof und einer Kleingartenanlage. Er schuf damit Orte der Begegnung der Menschen, Flächen zum Spielen für die Kinder und Kleingärten zur Eigenversorgung mit Obst und Gemüse.

Eine Besonderheit seiner anderen Siedlungsbauten, sein Spiel mit den Farben an den Fassaden, fehlt in Eichwalde. Hier benutzte er andere Elemente zur Belebung der Fassade. Die Fachleute des Denkmalschutzes und die Architekten sprechen hier „von seiner Vorliebe am plastischen Spiel und an lebhafter Materialwirkung“. Das gesamte Gebäude ist zweigeschossig und unterkellert. Beim Betrachten des Wohnblocks in Eichwalde fällt der zurückgesetzte Mittelteil mit dem breiten Durchgang zum Hof auf. Rechts vom Mittelteil ist ein rechtwinkliger Anbau zur Straße vorgezogen bzw. verläuft mit der Straße parallel. Auf der linken Seite des Mittelteils war früher spiegelgleich ebenfalls ein rechtwinkliger Anbau bis zur Straße vorhanden. Dieser Teil ist am 24. Dezember 1943 durch einen Bombenangriff zerstört worden.

Gruppenwohnhaus Siedlung in Eichwalde
Historische Aufnahme

Die Fassade besteht aus glattem einfarbigen Putz. Lediglich die rote Klinkergliederung des Gesimses, die in Klinker gefassten Fensterbänke und die senkrecht gezogenen Umrahmungen der Loggien und Balkone bringen den auflockernden Schmuck in das Bild der Siedlung. Am Durchgang des Mittelteiles kommen die in blau gefasste Aufschrift „Siedlung“ und die blaugefassten Türen dazu. Eine weitere Besonderheit und typisch für die Architektur von Taut sind die auffallenden dreiteiligen Sprossenfenster für die Wohnräume und die einflügligen Badfenster.

Mit Ausnahme des Mittelteiles sind die Hauseingänge mit den dahinterliegenden Treppenhäusern von der Rückseite des Hauses zu erreichen. Der gesamte Bau hat Walmdächer mit straßenseitigen Dachfenstern in Form von Schleppgaupen auf den Seitenflügel. Die Behaglichkeit des Wohnens trug Taut auch aus der Wohnung hinaus in das Umfeld. Zu dieser Siedlung entstanden die große Hofanlage mit kleinen Stallungen und unmittelbar dahinter eine Kleingartenanlage. Nach Klärung der Besitzverhältnisse wurde die Siedlung seit 2007 saniert und restauriert.

Die benachbarte Kleinhaussiedlung, die 1923 ebenfalls nach Plänen von Bruno Taut als Auftragswerk der sozialdemokratischen Gewerkschaftsorganisation errichtet wurde, konnte nicht unter Denkmalschutz gestellt werden. Durch die verschiedenen Besitzverhältnisse in den Folgejahren nach dem Bau, die Privatisierung der einzelnen Häuser und fehlendes Wissen um den Denkmalschutz wurde die Architektur eines großen Teiles dieser Häuser bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Wolfgang Flügge / Ortschronist

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