Evangelische Kirche in Eichwalde

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Evangelische Kirche in Eichwalde
Fotos: Burkhard Fritz
Evangelische Kirche in Eichwalde
Evangelische Kirche in Eichwalde
Evangelische Kirche in Eichwalde
Historische Aufnahme

Die evangelische Kirche am Händelplatz wurde auf Grund ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung im Jahr 1993 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Die Kirche ist nach Entwürfen des Architekten Professor Carl Zaar vom Baumeister Rudolf Vahl in den Jahren 1906 bis 1908 gebaut worden. Die Grundsteinlegung fand am 18. Oktober 1906, das Richtfest am 12. August 1907 und die feierliche Einweihung am 15. Dezember 1908 statt.

Das Protektorat über den Kirchenbau in Eichwalde hatte die Kaiserin Auguste Viktoria übernommen. Sie schenkte der Kirchengemeinde zur Einweihung auch eine kostbare, noch erhaltene Bibel mit Widmung. Trotz Unterstützung der Gemeindeverwaltung waren die finanziellen Mittel nicht so reichhaltig, wie es für das Projekt nötig gewesen wäre. Es kam daher eine vereinfachte Variante des Projektes zur Ausführung. Die Kirche wurde in streng neugotischem Stil erbaut. Es entstand der typische märkische Backsteinbau, ein ästhetisches Bauwerk von der Fassade bis zur Innengestaltung. In der Begründung des Denkmalwertes wird die städtebauliche Bedeutung der Kirche hervorgehoben. Durch die Lage in der Ortsmitte und durch ihren sich über dem Hauptportal erhebenden, weithin sichtbaren 47 Meter hohen Turm bestimmt sie das Ortsbild und die Silhouette des Ortes. Die Fassade aus rotem Backstein wird durch helle Putzflächen ergänzt und belebt. Architektonisch wertvoll ist die Gestaltung mit Spitzbogenfenstern.

Der dreischiffige Innenraum beeindruckt durch seine Arkaden, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen und der Empore trennen. Das gesamte Deckengewölbe und die Wände trugen früher, wie auf alten Bildern ersichtlich, eine „stimmungsvolle Malerei“. Durch Renovierungsarbeiten nach dem Krieg ist diese Malerei verloren gegangen. Im Bogen über dem Altar wurde sie aber vollständig restauriert und man erhält so einen Eindruck, in welcher Pracht das gesamte Kirchenschiff damals erstrahlte. An einigen Stellen der Decke sind Reste der alten Malerei wieder sichtbar gemacht worden. Überliefert ist, dass sich unter den Seitenfenstern die gemalten Bildnisse der vier Evangelisten und zu beiden Seiten der Orgel singende und musizierende Engel befanden.

Interessant ist auch der von Professor Roloff, einem bedeutenden Künstler jener Zeit, im Jugendstil projektierte Altar. Es ist eine Schnitzarbeit aus indischem Teakholz. Auf der in Kupfer getriebenen Rückwand ist die Grablegung Christi dargestellt. Altar und Kanzel stammen aus der Jerusalemer Kirche in Berlin und wurden der Eichwalder Kirchengemeinde übereignet. Der Taufstein ist eine Arbeit des Hofsteinsetzmeisters Schilling aus Tempelhof.

Hervorzuheben ist auch das große dreiteilige farbige Mittelfenster über dem Altar. Es war ein Geschenk der Kaiserin Auguste Viktoria an die Kirchengemeinde. Alle Fenster sind den Kriegseinwirkungen zum Opfer gefallen. Heute sind das Mittelfenster über dem Altar und die Obergadenfenster im Mittelschiff durch Mittel der Denkmalpflege, durch Stiftungen und Spenden von Privatpersonen wiederhergestellt worden. Die ersten beim Bau der Kirche bemalten Fenster waren Spenden von Familien des Ortes, wie auch die Glocken im Turm. Sie sind eine Spende der Familie Hugo Hoffmann, des ehemaligen Gründers und Besitzers der Sarotti Schokoladenfabriken und ersten Ehrenbürgers der Gemeinde Eichwalde. Die größte der drei Glocken trägt die Aufschrift:

„UNS STIFTETE FAMILIE HUGO HOFFMANN 1907,
DA KARL LÜTZOW ERSTER PFARRER
UNSERER GEMEINDE WAR“

Da die Glocken nicht aus Bronze, sondern aus Stahl gegossen waren, überdauerten sie beide Weltkriege und blieben vor dem Einschmelzen für Kriegszwecke verschont. Ein großes Kleinod der Kirche ist die nach gründlicher Restaurierung am 3. Advent 2002 wieder eingeweihte Parabrahm-Orgel. Sie wurde vom Orgelbaumeister Friedrich Weigle, Echterdingen-Stuttgart, in Gemeinschaft mit der Stuttgarter Pianofortefabrik Schiedmayer nach Plänen des Berliner Organisten Paul Schmidt gebaut. Das Instrument ist eine Kombination aus Orgel und Harmonium. Von diesem Orgeltyp wurden nur drei Stück gebaut, und in Eichwalde steht das einzig erhaltene Exemplar. Die Konzerte mit diesem einzigartigen Instrument locken jährlich eine Vielzahl von Gästen in den Ort.

Wolfgang Flügge, Ortschronist

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